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IM Invests

Aktie · Stufe 2 von 3

Aktien für Fortgeschrittene

Diese Stufe unterscheidet Aktiengattungen, liest die gängigen Kennzahlen kritisch und klärt die Praxis: Handelsplatz, Spread und Orderarten.

Fortgeschritten12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen

Auf der Einsteigerstufe war „die Aktie“ ein einheitliches Ding. In der Praxis unterscheiden sich Aktien in ihren Rechten, ihrer Handelbarkeit und in der Art, wie ein Unternehmen mit seinen Eigentümern umgeht. Diese Unterschiede entscheiden mit über das Risiko.

Aktiengattungen: Was genau du kaufst

Stamm- und Vorzugsaktien

Die Stammaktie ist der Normalfall: Sie gewährt ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung und einen Anspruch auf Dividende. Die Vorzugsaktie verzichtet auf das Stimmrecht und erhält dafür meist eine höhere oder bevorrechtigte Dividende.

Mehrere deutsche Unternehmen haben beide Gattungen notiert, oft mit deutlich unterschiedlichen Kursen. Die Differenz ist der Preis der Kontrolle: Wer nur an der wirtschaftlichen Beteiligung interessiert ist, bekommt sie über Vorzüge häufig günstiger. Der Nachteil zeigt sich bei Übernahmen – Übernahmeangebote richten sich in erster Linie an die stimmberechtigten Stammaktien.

Inhaber- und Namensaktien

Bei der Inhaberaktie ist berechtigt, wer sie besitzt – Übertragung ist einfach. Bei der Namensaktie wird die Eigentümerin im Aktienregister der Gesellschaft eingetragen. Das ermöglicht direkte Kommunikation, ist aber verwaltungsaufwändiger. Bei vinkulierten Namensaktien muss die Gesellschaft einer Übertragung sogar zustimmen.

Nennwert, Stückaktie und der Kurs

Deutsche Aktien sind heute meist Stückaktien ohne festen Nennbetrag. Jede Aktie repräsentiert einen gleichen Anteil am Grundkapital – bei einer Million Aktien also ein Millionstel. Der Börsenkurs hat mit diesem rechnerischen Anteil nichts zu tun; er richtet sich nach den Erwartungen des Markts.

Kennzahlen und was sie nicht sagen

Kennzahlen sind Abkürzungen. Sie ersetzen kein Verständnis des Geschäftsmodells, aber sie machen Unternehmen vergleichbar – solange man weiß, wo jede Kennzahl blind ist.

KGV = Kurs je Aktie / Gewinn je Aktie

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt an, wie viele Jahresgewinne für das Unternehmen bezahlt werden. KGV 15 bedeutet: 15 Euro Kaufpreis für 1 Euro Jahresgewinn.

Ein niedriges KGV ist kein Kaufsignal. Es kann bedeuten, dass der Markt sinkende Gewinne erwartet – dann ist der Nenner der Formel schon morgen kleiner und die Kennzahl von heute war eine Illusion. Umgekehrt kann ein hohes KGV bei stark wachsenden Gewinnen gerechtfertigt sein. Sinnvoll ist der Vergleich nur innerhalb einer Branche und über mehrere Jahre.

Die gängigen Kennzahlen und ihre blinden Flecken
KennzahlAussageBlinder Fleck
KGVPreis je Einheit JahresgewinnGewinn ist bilanzpolitisch beeinflussbar; bei Verlust nicht definiert
KBVPreis je Einheit Buchwert des EigenkapitalsIgnoriert immaterielle Werte wie Marken und Software fast völlig
DividendenrenditeAusschüttung in Prozent des KursesSteigt automatisch, wenn der Kurs fällt – oft ein Warnsignal
AusschüttungsquoteAnteil des Gewinns, der ausgeschüttet wirdÜber 100 Prozent heißt: Die Dividende wird aus Reserven oder Schulden bezahlt
EigenkapitalquoteAnteil Eigenkapital an der BilanzsummeBranchenabhängig; Banken liegen strukturell niedrig

Wenn sich dein Anteil verändert

Kapitalerhöhung und Verwässerung

Gibt ein Unternehmen neue Aktien aus, sinkt der prozentuale Anteil der bisherigen Eigentümer. Aus einem Zehntausendstel wird bei einer Verdopplung der Aktienzahl ein Zwanzigtausendstel. Diesen Effekt nennt man Verwässerung.

Als Ausgleich erhalten Altaktionäre in der Regel ein Bezugsrecht: Sie dürfen neue Aktien zu einem festgelegten, meist unter dem Marktpreis liegenden Kurs beziehen. Wer das Recht nicht nutzt, kann es an der Börse verkaufen. Wer es verfallen lässt, verschenkt Geld – ein häufiger und vollständig vermeidbarer Fehler.

Entscheidend ist, wofür das Geld verwendet wird. Eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung eines lohnenden Projekts kann den Wert je Aktie steigern. Eine Kapitalerhöhung, um ein Loch in der Bilanz zu schließen, ist ein Warnsignal.

Aktienrückkauf

Der umgekehrte Fall: Das Unternehmen kauft eigene Aktien am Markt zurück und zieht sie meist ein. Die Zahl der Aktien sinkt, der Gewinn je Aktie steigt rein rechnerisch. Wirtschaftlich ist das eine Alternative zur Dividende.

Sinnvoll ist ein Rückkauf, wenn die eigene Aktie unterbewertet ist. Kauft ein Unternehmen dagegen auf dem Höchstkurs zurück, vernichtet es Wert – zu beobachten war das bei mehreren Konzernen, die kurz vor Krisen Rekordsummen für Rückkäufe ausgaben und danach neues Kapital aufnehmen mussten.

Stimmrecht und Hauptversammlung

Mit Stammaktien darfst du auf der Hauptversammlung mitstimmen: über die Verwendung des Gewinns, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen. Ein Stimmrecht je Aktie ist der Normalfall.

Bei kleinen Positionen ist der praktische Einfluss null. Interessanter ist die Gegenrichtung: Die Eigentümerstruktur zeigt, wer das Unternehmen tatsächlich steuert. Ein Familienunternehmen mit 60 Prozent in einer Hand trifft Entscheidungen anders als ein Konzern mit reinem Streubesitz – für langfristige Anleger eine relevante Information.

Praxis: Wo und wie du kaufst

Handelsplatz und Spread

Dieselbe Aktie wird an mehreren Handelsplätzen gehandelt. Für jeden gibt es zwei Preise: den Geldkurs (Bid), zu dem jemand kaufen will, und den Briefkurs (Ask), zu dem jemand verkaufen will. Die Differenz ist der Spread – eine Kostenposition, die in keiner Gebührenübersicht auftaucht.

Bei großen, viel gehandelten Aktien beträgt der Spread Bruchteile eines Prozents. Bei kleinen Werten oder außerhalb der Haupthandelszeiten kann er mehrere Prozent erreichen. Praktische Konsequenz: während der Haupthandelszeiten handeln, wenn die Liquidität am höchsten ist.

Orderarten

  • Market-Order: Wird sofort zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Die Ausführung ist sicher, der Preis nicht.
  • Limit-Order: Du legst den maximalen Kaufpreis fest. Der Preis ist begrenzt, die Ausführung nicht garantiert. Für Privatanleger in fast allen Fällen die richtige Wahl.
  • Stop-Loss: Wird eine Kursschwelle unterschritten, entsteht eine Market-Order. Achtung: In einem schnell fallenden Markt kann die Ausführung weit unter der Schwelle liegen.
  • Stop-Limit: Wie Stop-Loss, aber mit Preisuntergrenze. Schützt vor Ausführung zu Ausreißerkursen – dafür kann die Order unausgeführt bleiben.

Index-Zugehörigkeit und ihre Nebenwirkung

Wird eine Aktie in einen bekannten Index aufgenommen, müssen alle Indexfonds sie kaufen – unabhängig vom Preis. Das erzeugt rund um Indexumstellungen mechanische Nachfrage und häufig Kursbewegungen ohne betriebswirtschaftlichen Anlass. Beim Ausschluss wirkt derselbe Mechanismus umgekehrt.

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