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Geldpolitik

Nicht die Zahl bewegt den Kurs, sondern der Abstand zur Prognose

Die US-Inflation kam gestern wie erwartet herein und bewegte kaum etwas. Heute stehen zwei Konjunkturtermine und Applied Materials' Quartalszahlen an.

Redaktion IM Invests4 Min. Lesezeit

Gestern Abend war es so weit: Die US-Inflationsrate ist laut einer dpa-AFX-Meldung „wie erwartet etwas“ zurückgegangen. Eine genaue Zahl nennt die Kurzmeldung nicht, nur die Richtung – und dass sie den Erwartungen entsprach. An den Märkten heute Morgen ist davon wenig zu spüren: Der US-Tech-Index notiert laut wallstreet-online rund 0,8 Prozent im Plus, der Dow Jones nahezu unverändert. Genau das ist der Punkt: Wenn eine Zahl trifft, was ohnehin erwartet wurde, hat der Markt sie längst eingepreist.

Warum eine erwartete Zahl kaum bewegt

Kurse reagieren nicht auf eine Zahl an sich, sondern auf den Unterschied zwischen dieser Zahl und dem, was vorher schon in den Kurs eingepreist war. Trifft eine Veröffentlichung die Konsensschätzung, bestätigt sie lediglich eine Annahme, die längst in den Positionen der Anleger steckt. Erst eine Abweichung nach oben oder unten löst eine echte Bewegung aus, weil dann Portfolios angepasst werden müssen.

Was heute noch aussteht

Der Wirtschaftskalender bei wallstreet-online zeigt für heute zwei Termine kurz hintereinander: Um 8 Uhr werden mehrere Konjunkturdaten erwartet – Bruttoinlandsprodukt im Monats- und im Jahresvergleich, dazu Industrieproduktion und ein Wert für das verarbeitende Gewerbe. Die Prognosen liegen bei 0,0 Prozent (Monat) beziehungsweise 1,1 Prozent (Jahr) für das BIP, nach zuletzt 0,1 beziehungsweise 0,9 Prozent. Um 9 Uhr folgt die Jahresrate der Verbraucherpreise (HVPI), Prognose 3,8 Prozent – exakt der Vorwert. Welches Land hinter den Zahlen steckt, geht aus der abgerufenen Übersicht nicht hervor; Uhrzeit und Werte sind es, die feststehen.

Dazu kommt eine Unternehmenszahl mit Indexgewicht: Applied Materials, einer der größten Ausrüster der Chipindustrie, legt laut wallstreet-online heute seine Quartalszahlen vor. Auch hier gilt derselbe Mechanismus wie bei der US-Inflation gestern – nicht der nackte Umsatz oder Gewinn wird über den Kurs entscheiden, sondern ob beide über oder unter dem liegen, was Analysten vorher geschätzt haben.

Was daraus folgt: Wer eine Konjunkturzahl oder einen Quartalsbericht liest, sollte zuerst nach der Prognose suchen, nicht nur nach dem Ergebnis. Der Vorwert zeigt die Richtung, die Prognose zeigt, was der Markt schon für wahrscheinlich hält – und erst der Abstand zwischen Prognose und tatsächlichem Wert erklärt, warum ein Kurs sich bewegt oder eben nicht.

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