Ein Ticker meldet, dass Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann fordert, die Verkäufe der verbliebenen Bundesanteile an der Bank auszusetzen. Der deutsche Staat hält seit der Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 eine Beteiligung, die seit einiger Zeit schrittweise verkleinert wird. Welche konkrete Begründung Weidmann dafür anführt, nennt die Kurzmeldung nicht.
Was ein Verkaufsüberhang mit dem Kurs macht
Wenn ein großer Aktionär bekanntermaßen weiter Anteile abgeben will, sprechen Marktteilnehmer von einem Überhang: Käufer kalkulieren ein, dass zusätzliches Angebot auf den Markt kommt, und sind deshalb vorsichtiger mit ihrem eigenen Kaufpreis. Eine Pause bei solchen Verkäufen kann diesen Effekt vorübergehend nehmen – unabhängig davon, ob sich am eigentlichen Geschäft der Bank etwas ändert.
Eine politische Entscheidung, kein Unternehmenskennzahl
Anders als eine Gewinnwarnung oder eine geänderte Umsatzprognose ist die Frage, wie schnell der Bund seine Anteile abbaut, eine politische und keine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Sie sagt nichts über Ertragskraft oder Risiken der Commerzbank selbst aus, kann den Kurs aber trotzdem bewegen – ein Beispiel dafür, dass nicht jede kursrelevante Nachricht aus der Bilanz kommt.
Was daraus folgt: Eine Forderung ist noch keine Entscheidung. Ob der Bund seine Verkäufe tatsächlich pausiert, ist offen – wer die Aktie deshalb beobachtet, sollte zwischen der Forderung eines Aufsichtsratschefs und einem tatsächlichen Beschluss des Finanzministeriums unterscheiden.
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IM Invests · https://iminvests.de/news/commerzbank-weidmann-bremst-bund-verkaeufe/