Oracle hat im ersten Quartal seines Geschäftsjahrs 2027 einen Umsatz von 19,3 Milliarden Dollar gemeldet – ein Plus von rund 30 Prozent zum Vorjahresquartal. Getrieben hat das vor allem eine Sparte: die Cloud-Infrastruktur.
Diese Sparte, in der Oracle Rechenleistung für Kundenprojekte rund um Künstliche Intelligenz vermietet, wuchs um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand – Verträge, deren Umsatz erst in den kommenden Jahren verbucht wird – stieg um 209 Milliarden auf 664 Milliarden Dollar, mehr als 30 Milliarden davon allein aus neuen KI-Cloud-Verträgen des Quartals.
Wenn die Prognose zählt, nicht die Vergangenheit
Adobe legte tags darauf eigene Zahlen vor – und die fielen für das abgelaufene Quartal ebenfalls stark aus: Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 6,76 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 6,13 Dollar über der Analystenschätzung von 6,08 Dollar. An der Börse zählte trotzdem etwas anderes.
Für das laufende, am 30. November endende Quartal stellte Adobe einen Umsatz von 6,80 bis 6,85 Milliarden Dollar in Aussicht – der Mittelwert dieser Spanne liegt unter der durchschnittlichen Analystenschätzung von 6,85 Milliarden Dollar. Die Aktie gab im nachbörslichen Handel um weniger als ein Prozent nach und blieb damit auf einem Jahresverlust von rund 29 Prozent sitzen.
Zwei Firmen, ein Streitpunkt
Was beide Werte verbindet, ist ausgerechnet das Thema, das bei Oracle für Rückenwind sorgt: Künstliche Intelligenz. Während Oracle als Vermieter von Rechenleistung von jedem neuen KI-Modell profitiert, das irgendwo trainiert werden muss, sehen Beobachter bei Adobe eine andere Seite derselben Entwicklung – dass generative KI-Werkzeuge die Erstellung von Bildern und Videos vereinfachen und damit an Adobes klassischem Software-Geschäft rütteln könnten. Ob das die tatsächliche Ursache für die vorsichtige Prognose ist, geht aus der Mitteilung selbst nicht hervor.
Was daraus folgt: Eine Guidance ist eine Prognose des eigenen Managements, keine Tatsache – und der Markt gewichtet sie oft stärker als die tatsächlich erzielten Zahlen desselben Quartals. Wer nur auf die Ist-Werte schaut, hätte bei Adobe ein rundum solides Quartal gesehen. Wer auf die Prognose schaut, sieht ein Unternehmen, dem die eigene Führung selbst nicht zutraut, das laufende Tempo zu halten.
Quellen
- Oracle Investor Relations, Pressemitteilung zum 1. Quartal des Geschäftsjahrs 2027, 10.09.2026
- finanzen.net, dpa-AFX-Meldung vom 10.09.2026, 21:09 Uhr: „Softwarehersteller Adobe mit vorsichtigem Umsatzausblick"
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