Der Fünferzug hat drei harte Regeln und vier zugelassene Abweichungen. Wer die Abweichungen kennt, zählt sauberer – und sieht zugleich, warum kaum eine Zählung eindeutig bleibt.
Der Fünferzug ist der Baustein, aus dem die Theorie alles Übrige zusammensetzt. Die drei Regeln aus der vorigen Lektion gelten für ihn ausnahmslos – aber sie legen nur fest, was verboten ist. Wie ein Impuls aussehen darf, ist damit noch weit offen, und die zugelassenen Formen sind der Grund, warum zwei Anwender denselben Chart verschieden auszählen.
Was jede einzelne Welle kennzeichnet
Die fünf Wellen unterscheiden sich nicht nur in der Richtung, sondern in Charakter, Beteiligung und typischer Länge. Diese Beschreibungen stammen aus der Literatur und sind Erfahrungssätze, keine Messwerte.
| Welle | Aufbau | Übliches Verhältnis | Was sie kennzeichnet |
|---|---|---|---|
| 1 | fünfteilig | Maßstab für alles Weitere | Wird meist noch für eine Gegenbewegung im alten Trend gehalten. Beteiligung gering, Nachrichtenlage schlecht. |
| 2 | dreiteilig | 50 / 61,8 / 78,6 % von Welle 1 | Scharf und schnell. Holt oft fast die gesamte Welle 1 zurück – darf ihren Startpunkt aber nie unterschreiten. |
| 3 | fünfteilig | 1,618 / 2,618 × Welle 1 | Meist die längste und steilste. Hier wird die Wende allgemein erkannt; höchste Beteiligung, deutlichste Kurslücken. |
| 4 | dreiteilig | 23,6 / 38,2 % von Welle 3 | Flach und zäh, oft ein Dreieck. Darf nicht in den Kursbereich von Welle 1 reichen. |
| 5 | fünfteilig | 0,618 × (Start 1 bis Ende 3) oder ≈ Welle 1 | Letzter Schub, häufig von schwächerer Beteiligung getragen. Abweichungen zwischen Kurs und Schwungindikatoren sind hier typisch. |
Die Streckung
Eine der drei Impulswellen 1, 3 oder 5 ist üblicherweise deutlich länger als die beiden anderen – sie ist gestreckt. Die beiden übrigen ähneln einander dann in Länge und Dauer. Am häufigsten trifft es Welle 3.
Praktisch bedeutsam ist das, weil eine gestreckte Welle sich beim Auszählen in fünf eigene Unterwellen zerlegen lässt – aus einer Welle werden neun sichtbare Abschnitte. Wer die Streckung übersieht, zählt diese neun als eine eigene Sequenz und liegt eine ganze Ebene daneben.
Die verkürzte fünfte Welle
Welle 5 überbietet das Hoch von Welle 3 nicht – der Impuls endet trotzdem. Diese Form heißt Truncation oder verkürzte fünfte Welle und ist zulässig, aber selten.
Voraussetzung ist, dass Welle 5 in sich vollständig fünfteilig ist. Fehlt ihr der fünfte Unterabschnitt, liegt keine Verkürzung vor, sondern eine unfertige Bewegung. Die Verkürzung gilt als Hinweis auf ungewöhnliche Schwäche; die anschließende Korrektur wird üblicherweise als kräftig erwartet.
Die Diagonalen
Ein Keil, in dem sich die Begrenzungslinien annähern. Zwei Fassungen gibt es, und sie stehen an genau entgegengesetzten Stellen der Sequenz.
- Führende Diagonale – steht in Welle 1 oder in Welle A, also am Anfang einer Bewegung.
- Endende Diagonale – steht in Welle 5 oder in Welle C, also am Schluss.
In beiden Diagonalen sind die Teilwellen dreiteilig statt fünfteilig. Das unterscheidet sie im Aufbau von jedem gewöhnlichen Impuls und ist beim Auszählen der zuverlässigste Anhaltspunkt – zuverlässiger jedenfalls als die Keilform, die sich in vielen Verläufen einzeichnen lässt.
Der Wechsel
Elliott erwartete, dass sich die beiden Korrekturwellen innerhalb eines Impulses im Charakter unterscheiden: Ist Welle 2 ein scharfer, kurzer Zickzack, wird Welle 4 flach und lang – und umgekehrt.
Das ist die einzige Aussage der Theorie, die eine Zählung im Voraus einschränkt statt sie nachträglich zu rechtfertigen. Sie ist trotzdem keine der drei Regeln: Eine Zählung, die den Wechsel verletzt, gilt nicht als ungültig.
Eine Form, die alles zulässt, schließt nichts aus. Der Wechsel ist die eine Stelle, an der die Theorie sich festlegt – und ausgerechnet dort verbindlich ist sie nicht.
Lektion durchgearbeitet?
Markiere die Lektion, wenn du sie durch hast. In der Bereichsübersicht siehst du dann auf einen Blick, was noch offen ist.
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