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Technische Analyse

Die Elliott-Wellen-Theorie

Fünf Impuls- und drei Korrekturwellen, die drei festen Regeln – und das Problem der Unwiderlegbarkeit.

10 Min. LesezeitAuslegung

Die Theorie hat drei harte Regeln und beliebig viele Ausnahmen. Genau das macht sie im Rückblick überzeugend und für die Vorhersage nahezu unbrauchbar.

5:52 übrig

Ralph Nelson Elliott, ein amerikanischer Buchhalter, veröffentlichte 1938 die Beobachtung, dass sich Kursverläufe in wiederkehrenden Wellen bewegen. Seine Theorie ist die ehrgeizigste der technischen Analyse: Sie beansprucht, den gesamten Verlauf zu ordnen – von Minuten bis zu Jahrhunderten.

Der Grundzyklus

Eine vollständige Bewegung besteht aus acht Wellen: fünf in Trendrichtung, die Impulswellen 1 bis 5, und drei dagegen, die Korrekturwellen A, B und C.

Fünf Wellen vor, drei zurück. Die drei harten Regeln stehen in der Grafik – die vielen erlaubten Ausnahmen sind der Grund, warum die Zählung selten eindeutig ist.
  • Welle 1 – die erste Bewegung. Wird meist noch für eine Gegenbewegung im alten Trend gehalten.
  • Welle 2 – Rücksetzer. Viele halten den alten Trend für zurück.
  • Welle 3 – üblicherweise die längste und dynamischste. Hier wird die Wende allgemein erkannt.
  • Welle 4 – Verschnaufpause, oft seitwärts und zäh.
  • Welle 5 – letzter Schub, häufig von schwächerer Beteiligung getragen.
  • A, B, C – die Korrektur des gesamten Aufbaus.

Die drei Regeln

Anders als bei vielen Chartmustern gibt es hier harte Bedingungen. Wird eine verletzt, ist die Zählung falsch:

  1. Welle 2 darf den Startpunkt von Welle 1 nicht unterschreiten.
  2. Welle 3 ist nie die kürzeste der drei Impulswellen 1, 3 und 5.
  3. Welle 4 darf nicht in den Kursbereich von Welle 1 hineinreichen.

Der Einwand

Die Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Regeln, sondern gegen den Bau der Theorie. Sie kennt neben den drei Regeln zahlreiche zulässige Sonderformen: gestreckte Wellen, verkürzte fünfte Wellen, Dreiecke in Welle 4, doppelte und dreifache Korrekturen. Zu fast jedem Verlauf lässt sich damit eine gültige Zählung finden.

Was sich mitnehmen lässt

Ohne den Anspruch auf Vorhersage bleibt eine brauchbare Beschreibung: Märkte bewegen sich selten in geraden Linien, sondern in Schüben mit Gegenbewegungen. Dass nach einem starken Anstieg eine Korrektur folgt und der Trend danach weiterlaufen kann, ist eine nützliche Erwartungshaltung. Sie braucht nur keine acht nummerierten Wellen.

Wenn eine Zählung nicht mehr passt, war es die falsche Zählung – nie die falsche Theorie.
Zusammenfassung des Haupteinwands gegen die Wellentheorie

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