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Länder & Branchen · Stufe 1 von 3

Warum Streuung wirkt

Das einzige kostenlose Mittel der Geldanlage – und die Falle, in die fast alle tappen.

Beginner12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
9:24 übrig

In der Geldanlage gibt es für alles einen Preis: Mehr Rendite kostet mehr Risiko, mehr Sicherheit kostet Rendite. Es gibt genau eine Ausnahme, und sie heißt Streuung. Sie senkt das Risiko, ohne die erwartete Rendite zu senken. Deshalb steht sie vor jeder anderen Entscheidung.

Zwei Arten von Risiko

Nur eines davon lässt sich wegstreuen
ArtWas gemeint istWegstreubar?
UnternehmensrisikoEin Werk brennt ab, ein Produkt scheitert, die Führung versagt, ein Patent fällt wegJa. In einem breiten Depot fällt ein Einzelfall kaum ins Gewicht
MarktrisikoRezession, Zinsanstieg, Krieg, Pandemie – alles, was alle Unternehmen zugleich trifftNein. Es bleibt, egal wie breit gestreut wird

Diese Unterscheidung erklärt zugleich, warum Streuung nichts kostet: Für das Unternehmensrisiko wird niemand bezahlt – man kann es ja beseitigen. Bezahlt wird nur für das Marktrisiko, und das behält man ohnehin. Wer nicht streut, trägt also ein Risiko, für das es keine Vergütung gibt.

Wie viele Positionen genügen?

Verbleibendes unternehmensspezifisches Risiko, vereinfacht gerechnet
PositionenVerbleibendes Einzelrisiko
1100 %
545 %
1032 %
2022 %
5014 %
10010 %

Der Home Bias

Anleger in fast allen Ländern halten deutlich mehr heimische Aktien, als es dem Anteil ihres Landes am Weltmarkt entspricht. In Deutschland ist der Effekt besonders folgenreich, weil der deutsche Aktienmarkt gemessen am Weltmarkt klein ist – und weil er stark von wenigen Branchen geprägt wird.

Streuung ohne Aufwand

Ein breiter Weltindex enthält weit über tausend Unternehmen aus dreiundzwanzig Industrieländern. Die Branchenstreuung entsteht dabei automatisch mit – man muss sie nicht getrennt herstellen. Was ein solcher Index nicht abdeckt, ist ebenso wichtig zu wissen: Schwellenländer fehlen, und kleine Unternehmen fehlen. Beides lässt sich ergänzen, muss es aber nicht.

Nach Börsenwert gewichtet heißt: Das Gewicht folgt dem Marktwert, nicht der Zahl der Länder.

Was „nach Marktkapitalisierung“ bedeutet

Fast alle breiten Indizes gewichten nach Marktkapitalisierung: Ein Unternehmen zählt so viel, wie alle seine Aktien zusammen wert sind. Das klingt technisch und hat zwei Folgen, die man kennen sollte, bevor man sich über die Zusammensetzung wundert.

  • Der Index kauft nicht, er spiegelt. Steigt ein Unternehmen, steigt sein Gewicht automatisch mit – ohne dass jemand eine Order erteilt. Deshalb muss ein Indexfonds nicht ständig umschichten, und deshalb ist er billig.
  • Große werden groß gewichtet. In einem Weltindex machen die zehn größten Unternehmen einen erheblichen Teil des Ganzen aus, und die Vereinigten Staaten stellen weit über die Hälfte. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern eine Abbildung der Wirklichkeit: Dort sitzt der Großteil des börsennotierten Kapitals.
  • Nur der frei handelbare Teil zählt. Anteile, die dauerhaft bei Familien, Stiftungen oder Staaten liegen, bleiben außen vor – „Streubesitz“ heißt das Kriterium. Deshalb wiegt ein Unternehmen im Index manchmal weniger, als sein Gesamtwert vermuten ließe.

Wo Streuung nur so aussieht

Eine hohe Zahl an Positionen ist kein Beleg für Streuung. Entscheidend ist, ob die enthaltenen Unternehmen von denselben Ereignissen getroffen werden. Drei Fälle, in denen ein Depot breiter aussieht, als es ist:

  1. Mehrere Fonds mit derselben Basis. Welt-ETF plus Technologie-ETF plus USA-ETF ergeben in Summe vor allem dieselben zwanzig großen Unternehmen – dreimal gekauft, einmal gestreut.
  2. Eine Branche über viele Länder. Zehn Bankaktien aus zehn Ländern sind zehn Positionen und ein Risiko: Eine Bankenkrise trifft sie alle zugleich.
  3. Das eigene Einkommen zählt mit. Wer bei einem Autohersteller arbeitet und Autoaktien hält, hat Gehalt und Depot an dieselbe Branche gekoppelt. Mitarbeiteraktien sind der Extremfall davon – ein einziges Unternehmen trägt dann Einkommen, Vermögen und Altersvorsorge.

Was du dir merken solltest

  • Streuung senkt Risiko ohne Renditeverzicht – das gilt sonst nirgends.
  • Nur das Unternehmensrisiko lässt sich wegstreuen, das Marktrisiko bleibt.
  • Die ersten zwanzig Positionen bringen den größten Teil des Nutzens – wenn sie verschieden genug sind.
  • Der Heimatmarkt wirkt vertraut und senkt trotzdem kein Risiko.
  • Nach Marktkapitalisierung heißt: Der Index spiegelt, er wählt nicht aus – deshalb ist er billig.
  • Viele Positionen sind keine Streuung, wenn dieselben Ereignisse sie alle treffen.

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