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Bitcoin & Krypto · Stufe 1 von 3

Was Bitcoin ist – und was nicht

Das Kassenbuch ohne Bank, die begrenzte Menge, der private Schlüssel – und das eine Risiko, auf das es tatsächlich ankommt.

Beginner12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
11:55 übrig

Wenn du Geld überweist, führt deine Bank Buch: Sie zieht bei dir ab und schreibt beim Empfänger gut. Alle vertrauen darauf, dass sie das richtig macht. Bitcoin ersetzt diese Bank durch ein Register, das viele gleichzeitig führen – jeder kann es einsehen, niemand kann es allein ändern. Der Rest ist Technik dazu.

Wie die Menge begrenzt wird

Neue Bitcoin entstehen als Belohnung für das Zusammenstellen eines Blocks. Diese Belohnung halbiert sich alle 210.000 Blöcke – das Halving, etwa alle vier Jahre. Daraus ergibt sich die Gesamtmenge nicht als Beschluss, sondern als Summe einer geometrischen Reihe:

Was in den ersten Epochen entsteht
EpocheBelohnung je BlockNeue Menge in dieser Epoche
1.50,00010.500.000
2.25,0005.250.000
3.12,5002.625.000
4.6,2501.312.500
5.3,125656.250
6.1,563328.125
Die Knappheit ist kein Versprechen, sondern eine Regel im Programmcode. Was sie über den Preis aussagt, ist eine andere Frage.

Der private Schlüssel

Es gibt keine Coins, die irgendwo liegen. Es gibt einen Eintrag im Register und einen privaten Schlüssel, mit dem sich dieser Eintrag ändern lässt. Wer den Schlüssel hat, verfügt – ohne Legitimation, ohne Rückfrage, ohne Rückholung.

Drei Verwahrformen
FormWer hält den SchlüsselAbwägung
Konto bei einer HandelsplattformDie PlattformBequem. Dafür trägst du ihr Insolvenz- und Missbrauchsrisiko – wie bei jedem Guthaben ohne Einlagensicherung
Software-WalletDu, auf einem internetfähigen GerätVolle Kontrolle. Dafür hängt alles an der Sicherheit dieses Geräts
Hardware-WalletDu, auf einem Gerät ohne InternetverbindungDer übliche Weg für größere Beträge. Verlust oder Zerstörung ohne gesicherte Wiederherstellungswörter bedeutet Totalverlust

Was das Risiko tatsächlich ist

  • Der Preis hat keinen Boden aus Zahlungsströmen. Bei einer Aktie kann man auf Gewinne und Substanz schauen. Hier gibt es nichts dergleichen – der Preis ist, was jemand zu zahlen bereit ist.
  • Rückgänge von über 70 Prozent sind mehrfach vorgekommen, mit Erholungsdauern von Jahren. Das ist kein Ausreißer, sondern die bisherige Normalform dieses Marktes.
  • Kein Anlegerschutz. Keine Einlagensicherung, kein Sondervermögen, keine Prospektpflicht wie bei Wertpapieren. Der EU-Rahmen für Kryptowerte hat daran etwas geändert, aber weniger, als sein Umfang vermuten lässt – dazu die nächste Stufe.

Was „Krypto“ alles meint

Der Begriff fasst sehr verschiedene Dinge zusammen, und die Unterschiede sind größer als die Gemeinsamkeiten. Vier Gruppen genügen zur Orientierung:

Vier Gruppen, vier Versprechen
GruppeIdeeWorauf zu achten ist
BitcoinKnappes digitales Gut mit festem EmissionsplanKein Zahlungsstrom, kein Ertrag – der Preis ist reines Angebot und Nachfrage
Plattformen wie EthereumEin Netz, auf dem Programme laufen; die Münze bezahlt die RechenzeitNäher an einem Nutzungswert – dafür Konkurrenz durch andere Netze
StablecoinsAn eine Währung gekoppelt, meist an den DollarDie Kopplung ist ein Versprechen des Herausgebers, kein Naturgesetz. Entscheidend ist, was tatsächlich als Deckung hinterlegt ist
Alles ÜbrigeTausende Projekte, Token zu Anwendungen, SammelstückeDer weitaus größte Teil ist verschwunden. Hier findet das meiste statt, was diesem Feld seinen Ruf eingebracht hat

Steuerlich gelten eigene Regeln

Kryptowerte sind in Deutschland keine Kapitalanlage im Sinne der Abgeltungsteuer, sondern andere Wirtschaftsgüter. Daraus folgen zwei Unterschiede, die man kennen muss, bevor man handelt.

  • Nach einem Jahr Haltedauer ist ein Gewinn steuerfrei. Das gilt bei Aktien und Fonds seit langem nicht mehr – hier schon. Der Stichtag zählt taggenau ab Anschaffung.
  • Innerhalb eines Jahres gilt der persönliche Steuersatz, nicht die pauschalen 25 Prozent. Bei höherem Einkommen kann das deutlich mehr sein. Es gibt eine Freigrenze für solche privaten Veräußerungsgeschäfte – wird sie überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig, nicht nur der Teil darüber.
  • Niemand führt die Steuer für dich ab. Anders als beim deutschen Broker gibt es keine automatische Abgeltung. Jeder Tausch – auch Coin gegen Coin – ist ein steuerlich relevanter Vorgang und muss selbst erklärt werden.
  • Wer viel handelt, braucht deshalb eine lückenlose Aufzeichnung aller Käufe und Verkäufe. Das ist der praktische Grund, warum aus einem Nebenbei-Experiment schnell Buchhaltung wird.

Was du dir merken solltest

  • Die Mengenbegrenzung folgt aus dem Halving-Schema – Knappheit allein erzeugt aber keinen Wert.
  • Wer den privaten Schlüssel hat, verfügt; bei einer Plattform hat man nur eine Forderung.
  • Ein verlorener Schlüssel bedeutet endgültigen Verlust ohne jede Wiederherstellung.
  • „Krypto" meint vier sehr verschiedene Dinge – der weitaus größte Teil der Projekte ist verschwunden.
  • Zugesagte Erträge, Messenger-Kontakt und Vorkosten sind die drei verlässlichen Betrugsmerkmale.
  • Steuerlich gelten eigene Regeln: ein Jahr Haltedauer, persönlicher Satz davor, und niemand führt ab.
  • Es gibt keinen Bewertungsanker und keinen Anlegerschutz – daraus folgt die Größe der Position.

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