Die deutsche Alterssicherung steht auf drei Säulen, und keine davon trägt allein. Die gesetzliche Rente ist die breiteste, aber sie ist ausdrücklich nicht darauf ausgelegt, den Lebensstandard zu erhalten – das war sie zuletzt vor Jahrzehnten.
| Säule | Wer zahlt | Wer trägt das Risiko |
|---|---|---|
| Gesetzliche Rente | Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte, verpflichtend | Die Gemeinschaft – die Höhe hängt an der politischen Entwicklung |
| Betriebliche Vorsorge | Arbeitgeber, oft ergänzt durch Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers | Je nach Durchführungsweg der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer |
| Private Vorsorge | Du selbst | Du selbst – dafür bestimmst du auch die Anlage |
Rentenpunkte
Die Rechnung ist einfacher, als ihr Ruf vermuten lässt. Wer in einem Jahr genau das Durchschnittsentgelt aller Versicherten verdient – derzeit rund 50.500 € –, erhält genau einen Rentenpunkt. Wer die Hälfte verdient, bekommt einen halben; wer das Doppelte verdient, zwei. Nach oben begrenzt die Beitragsbemessungsgrenze.
| Bruttojahreseinkommen | Punkte im Jahr |
|---|---|
| 30.000 € | 0,59 |
| 45.000 € | 0,89 |
| 50.500 € | 1,00 |
| 70.000 € | 1,39 |
| 100.000 € | 1,91 |
Ein durchgerechnetes Beispiel
Jemand verdient 50.000 € brutto im Jahr, hat 15 Beitragsjahre hinter sich und noch 25 vor sich. Bleibt das Einkommen so, ergibt sich:
| Größe | Wert |
|---|---|
| Punkte je Jahr | 0,99 |
| Punkte insgesamt nach 40 Jahren | 39,6 |
| Bruttorente im Monat | 1.615 € |
| − Kranken- und Pflegeversicherung | − 187 € |
| − geschätzte Steuer | − 165 € |
| = Nettorente im Monat | 1.263 € |
Die Rechnung oben ist bewusst vereinfacht: konstantes Einkommen, konstanter Rentenwert, keine Kindererziehungszeiten, keine Abschläge. Sie liefert eine Größenordnung, keine Zusage. Verbindlich ist ausschließlich die Auskunft der Deutschen Rentenversicherung – und die ist kostenlos.
Die drei Schichten der Altersvorsorge
Die gesetzliche Rente ist eine von drei Ebenen, und die Unterscheidung ist mehr als eine Ordnung: Sie sagt, wer das Geld verwaltet, wie es besteuert wird und wie gut man drankommt.
| Schicht | Was dazugehört | Kern |
|---|---|---|
| Basisversorgung | Gesetzliche Rente, Rürup, Versorgungswerke | Lebenslange Zahlung, nicht vererbbar, nicht kündbar, Beiträge steuerlich absetzbar |
| Zusatzversorgung | Betriebsrente, Riester | Zuschüsse oder Steuervorteil im Erwerbsleben, dafür Bindung bis zum Rentenbeginn |
| Privates Vermögen | Depot, Immobilie, Tagesgeld | Volle Verfügbarkeit und volle Eigenverantwortung – kein Zuschuss, keine Bindung |
Was du heute prüfen kannst – in einer halben Stunde
- Renteninformation heraussuchen. Sie kommt jährlich ab 27 Jahren und sechs Beitragsjahren. Die interessante Zeile ist nicht der Betrag ganz oben, sondern die aktuell erreichte Anwartschaft – das ist der Stand ohne weitere Einzahlung.
- Versicherungsverlauf prüfen und Lücken klären. Ausbildung, Studium, Auslandsjahre und Kindererziehungszeiten fehlen häufig. Sie zählen mit, aber nur, wenn sie erfasst sind – das nachzuholen ist kostenlos und wirkt dauerhaft.
- Beim Arbeitgeber nach der Betriebsrente fragen. Es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltumwandlung mit Mindestzuschuss. Viele wissen nicht, ob und in welcher Höhe ihr Betrieb darüber hinausgeht.
- Alte Verträge einmal ansehen. Riester- und Lebensversicherungsverträge aus den 2000er Jahren tragen oft Garantiezinsen, die heute unerreichbar sind – und ebenso oft Kosten, die den Vorteil aufzehren. Beides steht in der jährlichen Standmitteilung.
- Und die eigene Lücke beziffern. Nettorente aus der Rechnung oben, heutige Ausgaben daneben. Die Differenz ist die Zahl, um die es geht – und sie ist der einzige sinnvolle Ausgangspunkt für alles Weitere.
Was du dir merken solltest
- Im Umlageverfahren wird nichts angespart – du erwirbst einen Anspruch, kein Guthaben.
- Ein Rentenpunkt entspricht einem Jahr mit Durchschnittsverdienst.
- Punkte mal Rentenwert ergibt die Bruttorente – netto bleibt deutlich weniger.
- Die Renteninformation nennt brutto und unterstellt, dass alles so weitergeht.
- Drei Schichten: gesetzlich, betrieblich, privat. Nur die dritte bleibt flexibel.
- Ein Arbeitgeberzuschuss ist schwer zu schlagen – ohne Zuschuss ist die Rechnung offen.
- Lücken im Versicherungsverlauf zu klären kostet nichts und wirkt lebenslang.
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