Die Europäische Zentralbank lässt ihren Einlagenzins unverändert. Damit bleibt der Zinssatz, den Geschäftsbanken für über Nacht bei der Notenbank geparktes Geld erhalten, auf dem Niveau der vergangenen Monate. Für Privatanleger ist dieser Satz die entscheidende Größe: Er bestimmt, was Banken sich beim Tagesgeld leisten können.
Warum der Einlagenzins über dein Tagesgeld entscheidet
Eine Bank hat immer zwei Möglichkeiten, überschüssiges Geld unterzubringen: bei der Notenbank oder in Form von Krediten. Zahlt die Notenbank risikolos einen bestimmten Satz, wird keine Bank dir dauerhaft deutlich mehr bieten – sie müsste den Aufschlag aus eigener Marge bezahlen. Umgekehrt liegen Angebote deutlich unter diesem Satz, wenn eine Bank keine neuen Einlagen braucht.
Genau deshalb bewegen sich Tagesgeldangebote mit einiger Verzögerung im Gleichschritt mit den Notenbankzinsen. Die Verzögerung läuft asymmetrisch: Sinkende Notenbankzinsen geben Banken meist schnell weiter, steigende deutlich langsamer.
Nominal ist nicht real
Entscheidend ist nicht der Zins auf dem Kontoauszug, sondern was davon nach Inflation übrig bleibt. Liegt das Tagesgeld bei 2,0 Prozent und die Inflation bei 1,8 Prozent, beträgt der Realzins rund 0,2 Prozent – vor Steuern. Nach Abzug der Abgeltungssteuer kann daraus ein Minus werden.
Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate
Eine brauchbare Näherung für kleine Werte. Exakt gilt: (1 + Nominalzins) / (1 + Inflationsrate) − 1.
Der Blick auf den Wechselkurs
Zinsentscheidungen wirken auch auf den Außenwert des Euro. Bleiben die Zinsen in Europa stabil, während sie in den USA fallen, wird der Euro für internationale Anleger relativ attraktiver. Für alle mit US-Aktien im Depot ist das eine gemischte Nachricht: Ein stärkerer Euro drückt die in Euro gerechnete Rendite von Dollar-Anlagen.
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