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ETF · Stufe 2 von 3

Nachbildung, Tracking und Handelspraxis

Wie ETFs ihren Index tatsächlich abbilden, warum die TER das schlechtere Kostenmaß ist und worauf es beim Handeln ankommt.

Fortgeschritten11 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Ein ETF verspricht, einen Index abzubilden. Wie er das tut, ist keine Formsache – daraus folgen unterschiedliche Risiken, unterschiedliche Kosten und mitunter unterschiedliche Ergebnisse nach Steuern.

Drei Wege, einen Index nachzubilden

Die naheliegende Methode ist die vollständig physische Nachbildung: Der Fonds kauft alle Indexwerte in der Gewichtung des Index. Beim DAX mit 40 Titeln ist das unproblematisch. Bei einem Index mit 3.000 Titeln aus 47 Ländern wird es teuer, weil manche davon selten gehandelt werden.

Deshalb gibt es die optimierte physische Nachbildung, auch Sampling genannt. Der Fonds kauft nicht alle Titel, sondern eine Auswahl, die den Index in seinen Eigenschaften nachbildet – Branchen, Länder, Größenklassen. Die kleinsten und am schwersten handelbaren Positionen bleiben außen vor. Das spart Handelskosten und erzeugt eine kleine, in der Regel unauffällige Abweichung.

Die dritte Methode ist die synthetische Nachbildung über einen Swap. Der Fonds hält irgendein Wertpapierportfolio und schließt mit einer Bank ein Tauschgeschäft: Die Bank liefert die Wertentwicklung des Index, der Fonds liefert die Wertentwicklung seines Portfolios. Was der Fonds besitzt, hat mit dem Index dann nichts zu tun.

Nachbildungsmethoden im Vergleich
MethodeWas der Fonds besitztStärkeZusätzliches Risiko
Vollständig physischAlle IndextitelGrößte NachvollziehbarkeitKeines über den Index hinaus
Optimiert physischRepräsentative AuswahlGeringere Handelskosten bei sehr breiten IndizesAbweichung durch die Auswahl
Synthetisch (Swap)Ein beliebiges SicherheitenportfolioBildet auch schwer zugängliche Märkte exakt abAusfall des Swap-Partners

Tracking-Differenz: das ehrlichere Kostenmaß

Die Gesamtkostenquote TER ist die meistzitierte Zahl und die weniger nützliche. Sie enthält die Verwaltungsgebühr, aber nicht die Handelskosten innerhalb des Fonds, nicht die Quellensteuern auf Dividenden und nicht die Erträge aus Wertpapierleihe.

Die Tracking-Differenz misst stattdessen das Ergebnis: Wie weit lag die Wertentwicklung des ETF im vergangenen Jahr hinter der des Index? Sie enthält alles, was tatsächlich passiert ist. Und sie kann kleiner sein als die TER – wenn ein Fonds über Wertpapierleihe Zusatzerträge erzielt oder Quellensteuern besser zurückholt als der Index unterstellt. In Einzelfällen ist sie sogar negativ, der ETF hat den Index also geschlagen.

Daneben steht der Tracking Error. Er misst nicht, wie groß der Rückstand ist, sondern wie stark er schwankt. Ein ETF mit konstant 0,3 Prozent Rückstand ist besser vorhersehbar als einer, der mal 0,1 und mal 0,6 Prozent zurückliegt – auch wenn beide im Schnitt gleich abschneiden.

Net, Gross, Price: derselbe Index in drei Fassungen

Fast jeder Index existiert in drei Varianten, und der Unterschied liegt in der Behandlung der Dividenden:

  • Price Index (Kursindex): Dividenden werden ignoriert. Der Index bildet nur die Kursbewegung ab.
  • Gross Return (Bruttoindex): Dividenden werden voll wieder angelegt, ohne Abzug von Quellensteuer.
  • Net Return (Nettoindex): Dividenden werden wieder angelegt, abzüglich einer unterstellten Quellensteuer.

Über lange Zeiträume ist der Unterschied gewaltig. Der DAX wird üblicherweise als Performanceindex zitiert, der Dow Jones und der S&P 500 als Kursindex – wer beide Zahlen nebeneinanderlegt, vergleicht Ungleiches. Für ETF-Vergleiche gilt: Fast alle messen sich am Net Return, und genau daran gehört die Tracking-Differenz gemessen.

Welcher Maßstab in einem Werbeblatt steht, entscheidet über das Urteil, bevor über den Fonds selbst gesprochen wird. Üblich und richtig ist der Nettoindex.

Handeln: wann, wo, und immer mit Limit

Ein ETF wird an der Börse gehandelt, und dort gibt es zu jedem Zeitpunkt einen Geldkurs (was jemand zu zahlen bereit ist) und einen Briefkurs (was jemand verlangt). Die Spanne dazwischen, der Spread, ist eine Kostenkomponente, die in keiner Kostenquote auftaucht.

Der Spread ist am engsten, wenn die zugrunde liegenden Märkte geöffnet sind. Ein ETF auf japanische Aktien lässt sich um 9 Uhr deutscher Zeit handeln – nur ist die Börse in Tokio dann längst geschlossen, und der Market Maker muss den fairen Preis schätzen statt ihn abzulesen. Er sichert sich über eine größere Spanne ab. Dieselbe Order am frühen Nachmittag, wenn sich die Handelszeiten überlappen, ist oft messbar günstiger.

Was du dir merken solltest

  • Physisch, optimiert oder synthetisch – jede Methode hat einen eigenen Grund und ein eigenes Zusatzrisiko.
  • Die Tracking-Differenz sagt mehr als die TER, weil sie das Ergebnis misst statt einer einzelnen Gebühr.
  • Net Return, Gross Return und Price Index sind drei verschiedene Zahlen für denselben Markt.
  • Der Spread ist eine reale Kostenkomponente. Handelszeit wählen, Limit setzen.

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