Drei Paritätsbedingungen
- Kaufkraftparität. Gleiche Güter sollten überall gleich viel kosten, umgerechnet in eine Währung. Über Jahrzehnte gibt es eine Tendenz in diese Richtung; über Jahre ist die Abweichung so groß, dass sie für nichts zu gebrauchen ist. Handelshemmnisse, nicht handelbare Leistungen und Produktivitätsunterschiede erklären den Rest.
- Gedeckte Zinsparität. Der Terminkurs muss der Zinsdifferenz entsprechen, sonst ließe sich risikolos Geld verdienen. Diese Bedingung gilt praktisch immer – sie ist keine Theorie über Verhalten, sondern eine Arbitragebedingung. Größere Abweichungen traten nach 2008 auf und wurden zum Indikator für Stress im Bankensystem.
- Ungedeckte Zinsparität. Eine Währung mit höherem Zins müsste im gleichen Maß abwerten, sonst wäre der Zinsvorteil ein freies Mittagessen. Das ist die einzige der drei Bedingungen, die sich empirisch nicht bestätigt – und zwar systematisch.
Wie dieser Markt gebaut ist
- Der größte Markt der Welt. Der tägliche Umsatz übersteigt den aller Aktienmärkte zusammen um ein Vielfaches. Der überwiegende Teil davon entfällt nicht auf den Kassamarkt, sondern auf Swaps – kurzfristige Tauschgeschäfte zur Liquiditätssteuerung von Banken und Unternehmen.
- Dezentral und rund um die Uhr. Es gibt keine zentrale Börse. Gehandelt wird von der Eröffnung in Asien bis zum Schluss in New York; die Liquidität ist am höchsten, wenn London und New York gleichzeitig geöffnet haben, und am dünnsten in den frühen asiatischen Stunden. Auffällige Kursausschläge fallen deshalb überproportional in diese dünnen Stunden.
- Interventionen. Notenbanken können am Markt eingreifen, um ihre Währung zu stützen oder zu bremsen. Gegen einen anhaltenden Trend gelingt das selten dauerhaft – die Devisenreserven eines Landes sind endlich, der Markt ist es nicht. Wirksamer sind koordinierte Interventionen mehrerer Notenbanken und solche, die eine ohnehin drehende Entwicklung verstärken.
- Wechselkursbindungen. Ein Land kann seine Währung an eine andere koppeln. Das erfordert Reserven und den Verzicht auf eine eigenständige Geldpolitik – zwei Preise, die im Ernstfall gleichzeitig fällig werden.
Steuer und Praxis
Am Ende steht eine unspektakuläre Einsicht, die die meisten Absicherungsfragen erledigt: Die wirksamste Währungsabsicherung besteht darin, in der eigenen Verbrauchswährung zu planen. Wer seinen Ruhestand in Euro verbringt, sollte seine Verpflichtungen in Euro rechnen und die Fremdwährungsquote danach bemessen – nicht nach einer Einschätzung darüber, wohin der Dollar läuft. Diese Einschätzung hat noch niemand verlässlich hinbekommen, und der Devisenmarkt ist der Ort, an dem die meisten Prognosen scheitern.
Was du dir merken solltest
- Die gedeckte Zinsparität ist eine Arbitragebedingung und gilt; die ungedeckte gilt empirisch nicht.
- Der Carry-Trade lebt von dieser Lücke – mit dem Ertragsprofil einer Versicherung.
- Interventionen wirken selten gegen einen anhaltenden Trend; Reserven sind endlich.
- Die beste Absicherung ist, in der eigenen Verbrauchswährung zu planen.
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