Ein Währungspaar nennt immer zwei Währungen, und die Reihenfolge entscheidet über die Lesart. EUR/USD 1,10 heißt: Ein Euro kostet 1,10 US-Dollar. Steigt die Zahl, ist der Euro stärker geworden. Fällt sie, ist der Dollar stärker geworden.
Was Kurse bewegt
| Treiber | Wirkung | Zeithorizont |
|---|---|---|
| Zinsdifferenz | Kapital fließt dorthin, wo es mehr Zins gibt – die Währung wertet auf | Tage bis Monate. Der stärkste kurzfristige Treiber |
| Inflationsunterschied | Wo Preise schneller steigen, verliert die Währung an Kaufkraft und tendenziell an Wert | Jahre bis Jahrzehnte |
| Handelsbilanz und Kapitalströme | Wer mehr exportiert als importiert, erzeugt Nachfrage nach seiner Währung | Monate bis Jahre |
| Sichere Häfen | In Krisen fließt Geld in Franken, Dollar und Yen – unabhängig von allen anderen Größen | Tage. Und regelmäßig entgegen jeder anderen Logik |
Was das mit deiner Rendite macht
Ein Beispiel, an dem sich alles zeigt. Du legst 10.000,00 € in einer US-Aktie an, bei einem Kurs von EUR/USD 1,10. Die Aktie steigt in Dollar um 10 % – das ist in jedem Fall so. Was am Ende in Euro herauskommt, hängt allein am Wechselkurs beim Rücktausch:
| EUR/USD am Ende | Ergebnis in Euro | Rendite in Euro | Davon Währung |
|---|---|---|---|
| 1,00 | 12.100,00 € | 21,0 % | 10,0 % |
| 1,10 | 11.000,00 € | 10,0 % | 0,0 % |
| 1,20 | 10.083,33 € | 0,8 % | −8,3 % |
| 1,30 | 9.307,69 € | −6,9 % | −15,4 % |
Der wichtigste Irrtum
Ein weltweit anlegender ETF wird in Euro gehandelt. Viele schließen daraus, es gebe kein Währungsrisiko. Das ist falsch: Die Handelswährung ist nicht das Währungsrisiko. Der ETF hält Aktien von Unternehmen, die überwiegend in Dollar bilanzieren und wirtschaften. Fällt der Dollar, fällt der Eurowert dieser Beteiligungen – die Euro-Notierung rechnet das nur um, sie schützt nicht davor.
Dasselbe gilt in der Gegenrichtung: Ein in Dollar gehandelter ETF auf europäische Aktien trägt kein nennenswertes Dollarrisiko. Entscheidend ist immer, worin die enthaltenen Unternehmen ihr Geld verdienen – nicht, in welcher Währung das Papier notiert.
Absichern – und warum es meist nicht lohnt
Es gibt Fonds, die das Währungsrisiko herausnehmen; sie heißen währungsgesichert oder tragen „EUR hedged“ im Namen. Technisch wird dabei laufend ein Termingeschäft abgeschlossen, das die Fremdwährung auf einen festen Kurs festzurrt. Das funktioniert – aber es ist nicht umsonst, und der Preis ist nicht die Gebühr, die im Prospekt steht.
Bezahlt wird die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen. Liegen die US-Zinsen zwei Prozentpunkte über den europäischen, kostet die Absicherung ungefähr diese zwei Prozentpunkte pro Jahr – Jahr für Jahr, unabhängig davon, ob sich der Kurs überhaupt bewegt. Dazu kommt die etwas höhere Kostenquote. Über zwanzig Jahre ist das ein erheblicher Betrag für eine Versicherung gegen etwas, das sich über solche Zeiträume erfahrungsgemäß ohnehin ausgleicht.
Wo Wechselkurse im Alltag auftauchen
Nicht nur im Depot. Wer eine Auslandsüberweisung tätigt, im Urlaub mit Karte zahlt oder online in Dollar bestellt, bezahlt jedes Mal einen Kurs – nur steht er selten daneben. Der Unterschied zwischen dem Devisenkurs und dem, was tatsächlich abgebucht wird, liegt je nach Anbieter zwischen unter einem Prozent und deutlich über fünf.
Was du dir merken solltest
- EUR/USD 1,10 heißt: ein Euro kostet 1,10 Dollar. Steigt die Zahl, ist der Euro stärker.
- Zinsdifferenzen wirken kurzfristig am stärksten, Inflationsunterschiede über Jahrzehnte.
- Kurs- und Währungseffekt multiplizieren sich; ein starker Euro kann den Kursgewinn aufzehren.
- Die Handelswährung eines ETF sagt nichts über sein Währungsrisiko.
- Absicherung kostet die Zinsdifferenz – bei Anleihen sinnvoll, beim langfristigen Aktienteil selten.
- Im Ausland nie „in Euro abrechnen“ wählen. Das ist der teuerste Wechselkurs des Alltags.
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