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IM Invests

Wann kaufen & verkaufen · Stufe 1 von 3

Was Warten kostet

Die zwei Risiken, eine Rechnung an echten Kursdaten – und der Ausweg, der ohne Prognose auskommt.

Beginner12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
10:46 übrig

Die häufigste Frage von Einsteigern lautet: Ist jetzt ein guter Zeitpunkt? Sie ist nicht beantwortbar, und zwar nicht aus Bescheidenheit, sondern grundsätzlich. Ein günstiger Zeitpunkt zeigt sich erst, wenn man weiß, was danach passiert ist – und das weiß man immer zu spät.

Was das Verpassen weniger Wochen kostet

Statt das zu behaupten, lässt es sich nachrechnen – mit denselben Kursdaten, aus denen auch die Marktseiten dieser Website gespeist werden. Grundlage ist der DAX von 27. September 2021 bis 23. September 2026, in Wochenschritten. Ausgelassen heißt: In dieser Woche war man nicht investiert.

DAX, 27. September 2021 bis 23. September 2026 – 479 Wochen
Ausgelassene WochenGesamtrendite
keine – durchgehend investiert63,2 %
die 5 besten21,5 %
die 10 besten−3,0 %
die 20 besten−30,4 %

Aus einem klar positiven Ergebnis wird ein Verlust, wenn zehn von rund 479 Wochen fehlen – das sind vier Prozent der Zeit. Die Rendite eines Zeitraums steckt in sehr wenigen Perioden, und wer nicht investiert ist, verpasst sie.

Die guten Wochen sind wenige und lassen sich nicht ankündigen. Wer sie mitnehmen will, muss die schlechten aushalten – dazwischen liegen oft nur Tage.

Der Grund, warum Aussteigen so selten funktioniert

Man könnte einwenden: Wer aussteigt, verpasst doch auch die schlechtesten Wochen. Richtig – und genau hier liegt das Problem. Beide Sorten liegen nicht zufällig verteilt, sondern unmittelbar nebeneinander:

Die stärksten Ausschläge desselben Zeitraums
Stärkste AnstiegeStärkste Rückgänge
14. März 20228,5 %7. März 2022−11,2 %
14. April 20255,9 %7. April 2025−10,7 %
14. November 20225,8 %13. Juni 2022−8,4 %

Der praktische Ausweg

  1. Der Sparplan. Er löst die Frage auf, statt sie zu beantworten: Gekauft wird zu festen Terminen, unabhängig von der Marktlage. Damit ist der Zeitpunkt keine Entscheidung mehr, sondern eine Routine – und Routinen werden nicht von Nachrichten beeinflusst.
  2. Größere Summen stückeln. Wer einen größeren Betrag anzulegen hat, kann ihn über einige Monate verteilen. Rechnerisch ist das im Durchschnitt etwas schlechter als sofort alles anzulegen – dafür ist es psychologisch deutlich leichter durchzuhalten, und das ist die Größe, die tatsächlich zählt.
  3. Nach Zeithorizont auswählen, nicht nach Prognose. Die Frage „wann“ ersetzt man am besten durch „wie lange“. Geld, das in drei Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien – egal wie der Markt gerade steht. Geld, das zwanzig Jahre liegen kann, gehört hinein, ebenfalls unabhängig vom Stand.

Wann Verkaufen richtig ist

Bis hierher ging es ums Kaufen. Die andere Hälfte wird seltener besprochen, und dabei ist sie die schwerere: Es gibt genau vier gute Gründe zu verkaufen, und der Kurs steht in keinem davon.

  1. Das Geld wird gebraucht. Der Zweck ist erreicht oder hat sich verschoben – Hauskauf, Ausbildung, Ruhestand. Das ist der häufigste und der beste Grund.
  2. Die Aufteilung ist verrutscht. Nach mehreren guten Jahren liegt der Aktienanteil über dem, was man entschieden hat. Verkauft wird dann nicht wegen des Kurses, sondern wegen der Quote.
  3. Die Begründung gilt nicht mehr. Man hat etwas gekauft, weil man von einer Sache überzeugt war, und diese Sache hat sich geändert. Wichtig: geändert hat sich das Geschäft, nicht der Kurs.
  4. Der Baustein war ein Fehler. Zu teuer, zu eng, nicht verstanden. Das gehört korrigiert – und zwar unabhängig davon, ob die Position gerade im Plus oder im Minus steht.

Was ein Verkauf kostet

Ein Verkauf ist nie neutral, auch wenn man sofort wieder einsteigt. Drei Posten fallen an, und der dritte ist der teuerste.

  • Die Steuer. Auf den Gewinn wird abgeführt, und dieses Geld fehlt danach dauerhaft im Depot – es kann sich nicht mehr verzinsen. Bei einer über Jahre gewachsenen Position ist das der größte Einzelposten.
  • Spread und Gebühren. Klein bei breiten ETFs zur Haupthandelszeit, spürbar bei allem anderen. Sie fallen zweimal an, wenn man wieder einsteigt.
  • Die Wiedereinstiegsfrage. Sie ist die eigentliche Kostenposition. Wer verkauft hat, muss entscheiden, wann er zurückkommt – und diese Entscheidung fällt erfahrungsgemäß erst, wenn es sich wieder gut anfühlt, also nach der Erholung.

Daraus folgt keine Regel „niemals verkaufen“, sondern eine viel praktischere: Verkaufen ist eine Handlung, die eine Begründung braucht – Halten nicht. Wer diesen Maßstab anlegt, verkauft seltener, und zwar genau die Male seltener, die im Rückblick unnötig waren.

Was du dir merken solltest

  • Warten hat ein eigenes Risiko – es fühlt sich nur nicht wie eines an.
  • Wenige Wochen entscheiden über die Rendite ganzer Jahre.
  • Die besten Wochen folgen unmittelbar auf die schlechtesten; wer die einen meidet, verpasst die anderen.
  • Der Sparplan beantwortet die Zeitpunktfrage nicht, er löst sie auf.
  • Vier gute Verkaufsgründe: Bedarf, Quote, geänderte Begründung, korrigierter Fehler. Der Kurs ist keiner.
  • Ein Verkauf kostet Steuer, Spread – und die Frage, wann man zurückkommt.
  • Verkaufen braucht eine Begründung. Halten nicht.

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