Bei der Geldanlage ist fast alles ungewiss. Wie sich die Märkte entwickeln, weiß niemand; wie hoch die Inflation ausfällt, auch nicht. Genau eine Größe steht am ersten Tag fest, lässt sich vergleichen und beeinflussen: die Kosten.
Sechs Kostenarten – drei davon sieht man nicht
| Kostenart | Wann | Sichtbar? |
|---|---|---|
| Ausgabeaufschlag | Einmal beim Kauf über die Fondsgesellschaft | Ja |
| Ordergebühr | Bei jedem Kauf und Verkauf über die Börse | Ja |
| Depotgebühr | Jährlich, bei vielen Anbietern null | Ja |
| Laufende Fondskosten | Täglich anteilig aus dem Fondsvermögen | Nein – der Anteilspreis ist bereits gemindert |
| Spread | Bei jedem Kauf und Verkauf, im Preis enthalten | Nein – wird nie berechnet |
| Handelskosten im Fonds | Wenn der Fonds selbst umschichtet | Nein – auch nicht in der Kostenquote enthalten |
Die drei unsichtbaren sind zusammen fast immer der größere Posten. Wer beim Vergleich nur auf die Ordergebühr schaut, optimiert den kleinsten Hebel.
Warum laufende Kosten so viel schwerer wiegen
Ein Ausgabeaufschlag von fünf Prozent trifft einmal die eingezahlte Summe. Eine laufende Kostenquote von 1,5 Prozent trifft jedes Jahr das gesamte angesparte Vermögen – im dreißigsten Jahr also einen sechsstelligen Betrag, nicht die Monatsrate.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, den man leicht übersieht: Was an Kosten entnommen wird, kann sich nicht mehr verzinsen. Der Verlust ist deshalb größer als die Summe der Gebühren.
Die Rechnung
300 € im Monat, 30 Jahre lang, 6 % Rendite vor Kosten. Eingezahlt werden in allen Fällen 108.000 €. Nur die Kostenquote unterscheidet sich:
| Laufende Kosten | Endkapital | Gegenüber der günstigsten Variante |
|---|---|---|
| 0,2 % | 290.080 € | — |
| 0,5 % | 274.084 € | − 15.997 € |
| 1,0 % | 249.678 € | − 40.403 € |
| 1,5 % | 227.816 € | − 62.264 € |
| 2,0 % | 208.215 € | − 81.865 € |
Wo am meisten zu holen ist
- Laufende Fondskosten. Der mit Abstand größte Hebel, weil sie jedes Jahr auf alles wirken. Breite Indexfonds liegen bei 0,05 bis 0,25 Prozent, aktive Aktienfonds häufig bei 1,5 Prozent und mehr.
- Ausgabeaufschlag. Bei einem Kauf über die Börse entfällt er ganz. Wer über eine Fondsgesellschaft oder Vermittlung kauft, sollte gezielt danach fragen.
- Depotgebühr. Viele Anbieter erheben keine. Eine jährliche Gebühr für die reine Verwahrung ist verhandelbar oder ein Grund zu wechseln – der Wechsel ist gesetzlich kostenfrei.
- Ordergebühr. Bei langfristiger Anlage der kleinste Hebel: Wer zweimal im Jahr kauft, zahlt sie zweimal. Wichtig wird sie nur bei sehr kleinen Sparraten.
Wo du die Kosten tatsächlich nachliest
Zu jedem Fonds gibt es ein zweiseitiges Pflichtdokument, das Basisinformationsblatt – früher hieß es „wesentliche Anlegerinformationen“. Es sieht langweilig aus und ist das einzige Papier, das man vor einem Kauf wirklich braucht. Auf der zweiten Seite steht eine Kostentabelle, und dort stehen die Zahlen, die vergleichbar sind.
- Laufende Kosten in Prozent pro Jahr – das ist die Zahl, die zwischen zwei ähnlichen Fonds entscheidet.
- Transaktionskosten – was der Fonds für sein eigenes Handeln zahlt. Sie stehen getrennt, weil sie nicht in der Kostenquote enthalten sind.
- Einstiegs- und Ausstiegskosten – der Ausgabeaufschlag, sofern es einen gibt.
- Wirkung auf die Rendite – dasselbe noch einmal als Beispielrechnung über eine Halteperiode. Das ist die ehrlichste Darstellung, die es gibt, weil sie in Euro rechnet.
Der Vergleich, der sich lohnt – und der, der es nicht tut
Kostenvergleiche haben eine natürliche Grenze. Zwischen 1,5 und 0,2 Prozent liegt über dreißig Jahre ein Vermögen; zwischen 0,20 und 0,12 Prozent liegt eine Zahl, die von der Handelsspanne eines einzigen Kaufs überdeckt wird. Wer den zweiten Vergleich wochenlang betreibt, optimiert die dritte Nachkommastelle und übersieht darüber die erste.
Was du dir merken solltest
- Drei der sechs Kostenarten stehen auf keiner Abrechnung – und sind zusammen der größere Posten.
- Laufende Kosten treffen jedes Jahr das gesamte Vermögen, einmalige nur die Einzahlung.
- Über dreißig Jahre entscheidet die Kostenquote über einen erheblichen Teil des Ergebnisses.
- Der größte Hebel sind die Fondskosten, der kleinste die einzelne Ordergebühr.
- Nachlesen im Basisinformationsblatt – dort stehen laufende Kosten und Transaktionskosten getrennt.
- Der Sprung von 1,5 auf 0,2 Prozent lohnt jede Mühe. Der von 0,20 auf 0,12 keine.
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