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IM Invests

Schulden & Kredit · Stufe 3 von 3

Tilgen oder anlegen

Wie sich beides sauber vergleichen lässt – und warum die Antwort selten am reinen Zinsvergleich hängt.

Profi12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Der Vergleich, den fast alle falsch aufstellen

Die übliche Rechnung lautet: Kreditzins drei Prozent, erwartete Aktienrendite sieben Prozent, also anlegen. Sie ist an zwei Stellen falsch aufgestellt, und beide gehen in dieselbe Richtung.

Als Größenordnung lässt sich daraus eine belastbare Regel ableiten: Bei Kreditzinsen im zweistelligen Bereich gewinnt die Tilgung praktisch immer. Im mittleren einstelligen Bereich wird es eine Abwägung zwischen Sicherheit und Erwartung. Unterhalb von etwa zwei bis drei Prozent nach Steuern spricht mehr für die Anlage – vorausgesetzt, der Anlagehorizont ist lang genug, dass die Erwartung überhaupt tragen kann.

Der ersparte Kreditzins ist steuerfrei, der Anlageertrag nicht. Wer beide Prozentzahlen nebeneinanderlegt, vergleicht netto mit brutto.

Wo Schuldzinsen absetzbar sind

Die steuerliche Behandlung hängt am Zweck
FallAbsetzbar?Folge
Vermietete ImmobilieJa, als Werbungskosten bei den VermietungseinkünftenDer effektive Zins sinkt um den persönlichen Steuersatz – die Tilgung wird entsprechend weniger attraktiv
Selbstgenutzte ImmobilieNeinEs gibt keine Einkunftsart, der die Zinsen zuzuordnen wären. Der Zins wirkt in voller Höhe
KonsumkreditNeinWie bei der Selbstnutzung: voller Zins, keine Entlastung
WertpapierkreditIn aller Regel neinBei Einkünften aus Kapitalvermögen ist der Abzug tatsächlicher Werbungskosten grundsätzlich ausgeschlossen – der Sparerpauschbetrag tritt an ihre Stelle

Die letzte Zeile ist die folgenreichste und wird bei Anlagen auf Kredit regelmäßig übersehen: Die Zinsen des Kredits mindern die Steuerlast nicht, die Erträge der Anlage erhöhen sie. Die Rechnung ist damit schlechter, als der bloße Vergleich von Kreditzins und Anlagerendite vermuten lässt.

Der Kredit als Hebel

Fremdkapital erhöht die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital, solange die Gesamtrendite über dem Kreditzins liegt – der Leverage-Effekt. Er ist keine Meinung, sondern Arithmetik. Und er wirkt in beide Richtungen mit derselben Verstärkung.

  • Bei Immobilien ist er der Normalfall und der eigentliche Grund für die Vermögenswirkung des Immobilienkaufs. Er ist dort vergleichsweise beherrschbar, weil der Kredit nicht kurzfristig fällig gestellt wird, solange die Rate fließt.
  • Bei Wertpapieren ist er das nicht. Ein Lombard- oder Wertpapierkredit ist durch das Depot besichert, und der Beleihungswert sinkt mit den Kursen. Fallende Kurse lösen deshalb eine Nachschussforderung genau dann aus, wenn Nachschießen am schwersten fällt.
  • Die doppelte Wirkung im Abschwung. Kurse fallen, gleichzeitig steigt die geforderte Sicherheit. Wer nicht nachschießen kann, wird zwangsweise verkauft – am Tiefpunkt, ohne Wahl. Das ist derselbe Mechanismus wie bei Derivaten: aus einem Verlustrisiko wird ein Liquiditätsrisiko.

Was du dir merken solltest

  • Tilgung liefert eine risikolose Rendite in Höhe des Kreditzinses – der faire Vergleich ist eine sichere Anlage, nicht der Aktienmarkt.
  • Kapitalerträge werden besteuert, ersparte Schuldzinsen nicht; der Vergleich gehört nach Steuern geführt.
  • Bei Kapitalanlagen sind Kreditzinsen in aller Regel nicht absetzbar – die Rechnung ist schlechter, als sie aussieht.
  • Ein Wertpapierkredit macht aus einem Kursrückgang eine Zwangsliquidation; die Grenze der Verschuldung kommt aus dem Einkommen.

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