Ein Staat, der in einem Jahr mehr ausgibt, als er an Steuern einnimmt, hat drei Möglichkeiten: Steuern erhöhen, Ausgaben kürzen oder sich das Geld leihen. Die dritte ist politisch am billigsten und deshalb der Normalfall. Geliehen wird über Anleihen – und die kann jeder kaufen.
Die deutschen Papiere und ihre Namen
| Bezeichnung | Laufzeit bei Ausgabe | Bedeutung |
|---|---|---|
| Bundesanleihe („Bund“) | 10 und 30 Jahre | Die zehnjährige ist der wichtigste Zinsmaßstab der Eurozone |
| Bundesobligation („Bobl“) | 5 Jahre | Mittleres Laufzeitsegment |
| Bundesschatzanweisung („Schatz“) | 2 Jahre | Reagiert am stärksten auf Entscheidungen der Notenbank |
| Unverzinsliche Schatzanweisung („Bubill“) | Bis 12 Monate | Kein Kupon; der Ertrag steckt im Abschlag beim Kauf |
Gekauft werden diese Papiere überwiegend von Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Fonds – und in den vergangenen Jahren in erheblichem Umfang von der Europäischen Zentralbank. Privatanleger sind eine kleine Gruppe, können aber über die Börse jederzeit mitmachen.
Die vier Zahlen, die auf jedem Papier stehen
Eine Anleihe sieht kompliziert aus und besteht aus vier Angaben. Nennwert: der Betrag, der am Ende zurückgezahlt wird, meist 100 Euro je Stück. Kupon: der jährliche Zins, bezogen auf den Nennwert, festgelegt bei der Ausgabe und danach unveränderlich. Laufzeit: der Tag der Rückzahlung. Kurs: der Preis, zu dem das Papier gerade gehandelt wird – notiert in Prozent des Nennwerts, also „98,40“ statt „98,40 Euro“.
Aus Kurs, Kupon und Restlaufzeit ergibt sich die Rendite – und nur sie ist vergleichbar. Ein Papier mit drei Prozent Kupon, das bei 90 notiert und in fünf Jahren zu 100 zurückgezahlt wird, bringt mehr als drei Prozent: Zusätzlich zu den Zinsen kommt der Kursgewinn von zehn Punkten bis zur Fälligkeit dazu. Umgekehrt bringt ein Papier über pari weniger als sein Kupon. Wer zwei Anleihen vergleicht, vergleicht deshalb nie die Kupons.
Der Maßstab für alles andere
Die Rendite sicherer Staatsanleihen heißt risikofreier Zins, und sie ist der Bezugspunkt für nahezu jeden anderen Zinssatz. Wer risikoreicher verleiht, verlangt einen Aufschlag darauf – der Grundzins selbst wird aber hier gesetzt.
- Kredite werden teurer, wenn die Rendite langlaufender Staatsanleihen steigt. Bauzinsen folgen der zehnjährigen Bundesanleihe eng, nicht dem Leitzins.
- Sparzinsen orientieren sich am kurzen Ende: Tagesgeld folgt dem, was Banken bei der Notenbank oder am Geldmarkt bekommen.
- Aktienbewertungen hängen daran, weil künftige Gewinne mit diesem Zins abgezinst werden. Steigt er, sinkt der rechnerische Wert weit entfernter Gewinne – das trifft besonders Unternehmen, deren Gewinne erst in der Zukunft erwartet werden.
Was schiefgehen kann
- Kursverlust bei steigenden Zinsen. Der häufigste Fall und völlig unabhängig von der Bonität. Wer verkaufen muss, bevor das Papier fällig wird, realisiert ihn.
- Inflation. 1.000 Euro in zehn Jahren sind 1.000 Euro – was man dafür bekommt, ist eine andere Frage. Bei zwei Prozent Inflation über zehn Jahre bleiben davon rund 820 Euro heutiger Kaufkraft.
- Zahlungsausfall. Selten, aber real. Griechenland hat 2012 umgeschuldet, Argentinien mehrfach, Russland 1998. Kein Staat ist eine Naturkonstante.
- Wechselkurs. Eine Anleihe in Fremdwährung bringt ein zweites Risiko mit, das mit dem Emittenten nichts zu tun hat und größer sein kann als der gesamte Zinsvorteil.
Einzelne Anleihe oder Fonds?
Für Privatanleger ist das die einzige Entscheidung, die wirklich ansteht – und sie hat eine klare Trennlinie. Eine einzelne Anleihe hat einen Rückzahlungstermin. Wer sie bis dahin hält, kennt seinen Ertrag am Kauftag auf den Euro genau, ganz gleich, was der Kurs dazwischen macht. Das macht sie zum passenden Werkzeug für Geld mit Termin: Studienbeginn in fünf Jahren, Autokauf in drei.
Ein Anleihe-ETF hat diesen Termin nicht. Er hält hunderte Papiere und ersetzt jedes, das zu kurz wird, durch ein längeres – die Restlaufzeit bleibt damit ungefähr konstant, es gibt aber keinen Tag, an dem du dein Geld zum Nennwert zurückbekommst. Dafür ist die Streuung geschenkt, schon kleine Beträge reichen, und du musst nichts wiederanlegen. Der Preis ist, dass ein Kursrückgang bei steigenden Zinsen nicht sicher „ausläuft“, sondern nur durch die höheren Zinsen der neu gekauften Papiere aufgeholt wird.
Was du dir merken solltest
- Bund, Bobl und Schatz unterscheiden sich nur in der Laufzeit.
- Vergleichbar ist die Rendite, nicht der Kupon – der Kurs entscheidet mit.
- Steigende Zinsen drücken den Kurs, und zwar umso stärker, je länger die Restlaufzeit.
- Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt Kupon und Nennwert unabhängig vom Kurs dazwischen.
- Die Rendite sicherer Staatsanleihen ist der Bezugspunkt für Kredite, Sparzinsen und Aktienbewertungen.
- „Risikofrei“ meint die Rückzahlung, nicht den Kurs und nicht die Kaufkraft.
- Einzelne Anleihe für Geld mit Termin, Anleihe-ETF für dauerhafte Beimischung.
- Fremdwährungsanleihen tragen ein zweites Risiko, das den Zinsvorteil übersteigen kann.
Wissenscheck
Teste dein Wissen zu „Beginner“
4 Fragen, eine richtige Antwort pro Frage. Nach jeder Antwort bekommst du die Begründung – auch wenn du richtig lagst. Es gibt kein Zeitlimit und keine Bewertung, die irgendwo landet.
IM Invests · https://iminvests.de/lernen/staatsanleihe/beginner/